
Achtung Straßenbahn!
Noch schnell vor der Straßenbahn über die Gleise hüpfen? Keine gute Idee! Denn ihr Bremsweg ist deutlich länger als der von Bus und Pkw.
Jeder Fahrgast hat das sicherlich schon einmal erlebt. Man sitzt gemütlich in der Straßenbahn, beobachtet das Treiben auf Augsburgs Straßen und ist mit den Gedanken gerade überall, nur nicht hier. Und plötzlich wird man energisch in den Sitz gedrückt. Der Rucksack unter den Füßen kippt um und sucht das Weite. Die stehenden Fahrgäste haben alle Mühe, sich an die Haltestangen zu klammern.
Der Grund für diese Schrecksekunde: ein Fußgänger mit dicken Kopfhörern über den Ohren. Er ist auf die Gleise getreten und hat die heranfahrende Straßenbahn einfach nicht gesehen. Nur die vom Fahrer eingeleitete Gefahrbremsung hat Schlimmeres verhindert. Doch es war knapp.
Stahl auf Stahl statt Gummi auf Beton
Denn woran viele nicht denken: Der Anhalteweg einer Straßenbahn ist deutlich länger als bei einem Bus oder Pkw. Hier treffen nicht Gummireifen auf Asphalt, sondern Stahl auf Stahl. In dem Moment, in dem der Fahrer reagiert, blockieren zwar die Räder – doch gleitet die Straßenbahn erstmal noch in der Schiene weiter. Obwohl bei einer solchen Gefahrbremsung automatisch auch Sand auf die Schienen gestreut wird, der die Reibung erhöht: An den Gesetzen der Physik ändert das nichts. Kommen dann auch noch regennasse Schienen, Laub oder Schmutz hinzu, verlängert sich der Anhalteweg nochmals deutlich. Die tonnenschweren Straßenbahnen gleiten noch einige Meter dahin, bevor sie zum Stehen kommen.
Zehn Meter längerer Bremsweg
Bei gleichen Voraussetzungen – und einer Reaktionszeit des Fahrers von 1 Sekunde – legt eine Straßenbahn bei einer Gefahrbremsung aus einer Geschwindigkeit von 30 km/h knappe zehn Meter mehr zurück als ein Pkw oder Bus. Sie kommt erst nach rund 22 Metern zum Stehen.
Übrigens: Der Anhalteweg zwischen einem Pkw und einem Bus unterscheidet sich nicht wesentlich – obwohl der Bus ordentlich mehr Gewicht auf die Waage bringt. Aber dafür hat er auch größere Bremsen, die auf die Räder wirken.
Deswegen: Wer Schienen überquert, sollte sich immer vorher versichern, dass keine Straßenbahn heranfährt. Zur eigenen Sicherheit und zur Sicherheit der Fahrgäste in den Straßenbahnen. Denn auch hier gibt es immer wieder Verletzte, wenn eine Gefahrbremsung sie überrascht.
Foto: swa / Thomas Hosemann